Alles Journalismus oder was?

 

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                                    Medien Propaganda und Lügen

 

                                    Alles Journalismus oder was?

 

Mindestens 40 Prozent der redaktionellen Beiträge reichweitenstarker Printmedien stammen von sogenannten Public-Relations Agenturen. Diese Agenturen werden von Privatfirmen, Nichtregierungsorganisationen oder auch Regierungsstellen dafür bezahlt, Texte zur Umsetzung der Kommunikationsstrategie des Auftragsgebers zu entwickeln und in der Presse zu platzieren.

Aber wie erkenne ich eine solche Einflussnahme und Desinformation?

Solche PR-Texte informieren nicht nur über Produkte, sondern lassen auch den Auftraggeber in einem günstigen Licht erscheinen, oder platzieren Themen, die für den Auftraggeber wichtig sind und dessen Interessen bedienen.

Printmedien sind umso mehr geneigt, diese Texte zu berücksichtigen, umso mehr Anzeigen der PR-Auftraggeber in ihren Produkten schaltet, oder je besser die Inhalte mit der Linie des Mediums bzw. der Chefredaktion oder den Interessen des Herausgebers übereinstimmen. Es handelt sich bei  den PR Texten also kurz gesagt nicht um das Ergebnis unabhängiger Recherche eines Journalisten, sondern um Werbung bzw. Beeinflussung des Lesers im Sinne Dritter.

Ein Beispiel einer hierzulande wirkmächtigen PR Agentur ist die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, finanziert durch die Verbände der Metall- und Elektroindustrie. Diese Agentur platziert seit langem Texte zur Umstellung der gesetzlichen auf die private Rente sowie u.a. zur Bekämpfung der Energiewende oder zur „Flexibilisierung“ des Arbeitsmarktes.  Wie wichtig diese Agenturen mittlerweile sind, zeigt ihre Personalstärke: Auf jeden Journalisten kommt mindestens ein PR Profi. 

Darüber hinaus sind viele der einflussreichsten Journalisten – auch der öffentlich-rechtichen Fernsehsender- eng mit politischen und/oder ökonomischen Zirkeln verbunden.

 Die Einbindung in solche Netzwerke wirft natürlich unmittelbar die Frage nach der Unabhängigkeit der betreffenden Journalisten auf. Das klassische Beispiel ist die gut dokumentierte Mitarbeit  solcher „Alpha-Journalisten“ in transatlantischen Netz- werken wie z.B. der Atlantik-Brücke. Immer wieder überrascht, wie Themen aus trans- atlantischen Think-Tanks als Blaupause für gleichlautende Berichte in deutschen Medien dienen.

Weiterhin verfolgen die Eigentümer der Medien natürlich Eigeninteressen. Daß diese im Falle von schwerreichen Konzerneignern (Bertelsmann) oder dezidiert US-orientierten Unternehmen (Springer) nicht unbedingt jene der Bevölkerungsmehrheit sein müssen, liegt auf der Hand. Leider hat dieser Punkt im Zuge der Konzentration im Medienmarkt und aufgrund der Verflechtung der Politik mit der Wirtschaft  an Bedeutung zugenommen.

Last-but-not-least bieten internet-gestützte soziale Medien oder Blogs die Möglichkeit für eine unabhängige Information, aber können prinzipiell auch als Einfallstor für die Beeinflussung der Diskussion von Aussen dienen.


Fazit:

  Es gibt bereits heute vielfältige Versuche einflußreicher und mächtiger Akteure – leider auch aus dem eigenen Lande- die Diskussion innerhalb der Bürgerschaft in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Wir werden bereits jetzt zu Opfern einer institutionalisierten Desinformation durch die Medien. Zu befürchten ist, dass sich diese Desinformation in Zukunft auch auf die sozialen Netze des Internets erstrecken wird. Die Anstrengungen der Bundesregierung hinsichtlich einer Zensur des Internets lässt hier Böses ahnen

Umso wichtiger ist es, sich eine gute Medienkompetenz anzueignen, um Desinformation und Propaganda von gutem Journalismus trennen zu können. Im Folgenden möchte ich einige Anregungen geben, wie Propaganda entlarvt werden kann. 


        Wie arbeitet nun Propaganda?

        Meistens durch bewußte Missachtung der  Regeln für guten Journalismus:

  1. Meinung und Bericht vermischen sich. Für das Opfer der Propaganda werden negativ konotierte Adjektive oder Bezeichungen benutzt (aggressiv, autoritär, Macho, machthungrig, sexistisch, Terroristen, terroristisch), für die Gegenseite wird auf eine entsprechend positive Sprache bzw. Wortwahl geachtet (Freiheitskämpfer, Staatsmann, überlegt, verantwortungsbewußt, liberal), ob dies nun wirklich zutrifft, oder nicht.
  2. Die Gegenseite kommt nicht oder kaum zu Wort oder wird verkürzt, oder falsch zitiert. Die Gegenseite wird mit Personen oder politischen Richtungen in Verbindung gebracht, die nicht zum akzeptablen Spektrum gehören. Dadurch wird die Glaubwürdigkeit einer Seite gezielt herabgesetzt und diese geradezu denunziert.
  3. Quellen werden nicht genannt, bei auftretenden „Experten“ bleiben etwaige Interessenkonflikte oder Abhängigkeiten (z.B. bei Lobbyisten) im Dunklen.
  4. Es werden bewußt Vermutungen und Gerüchte verwendet: Es wird schon etwas hängen bleiben!
  5. Fragmentierung wird oft eingesetzt um Zusammenhänge zu verschleiern und die Bedeutung der Berichte zu manipulieren.
  6. Geschichten werden verkürzt erzählt, um die Urheber eines Konfliktes zu maskieren oder Kausalketten zu verhindern.
  7. Die Interessenkonflikte oder Abhängigkeiten von Autoren werden nicht offengelegt, so daß der Leser die Interessenlage des Autors nicht einschätzen kann.
  8. Nachrichten werden gezielt ausgewählt oder negiert um die Themen festzulegen, über die diskutiert werden darf oder sollte.
  9. Wichtige Vorkommnisse können so komplett der Aufmerksamkeit der Leser/Zuhörer entzogen werden.

 

Ein beliebter Propaganda-Trick ist die häufige Wiederholung. Nichts kann so dämlich sein, keine Lüge zu dreist, damit nach häufiger Wiederholung nichts hängen geblieben ist. Misstrauisch werden sollte der Leser auch bei superschnellen Erklärungen und Schuldzuweisungen kurz nach Veröffentlichung einer Geschichte. Reichte die Zeit hier wirklich für die Recherche der Fakten aus, oder soll nur die Gelegenheit nur genutzt werden, um vorgefertigte Meinungen zu streuen?


Insbesondere bei Kriegspropaganda werden Taten der eigenen Seite abstrahiert und damit der moralischen Bewertung entzogen, während die Taten der Gegenseite möglichst plastisch und detailliert geschildert werden, um moralische Entrüstung zu erzeugen.


Und ganz wichtig, fragt euch immer:

Wem würde diese Nachricht in diesem Stil jetzt nutzen?